Durch ZECKEN übertragene Erreger


Borreliose, Lyme-Disease

Die Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit des Hundes. Der Erreger, die Art Borrelia burgdorferi sensu lato, stellt eine Zusammenfassung verschiedener Borrelia-Arten dar. Diese sind in Serogruppen eingeteilt, deren regionale Verbreitung unterschiedlich ist. Die Borrelien werden durch Zecken, insbesondere durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen. Der Erreger vermehrt sich in den Darmzellen der Zecke und muss während des Saugaktes aus den Darmzellen zu der Bissstelle wandern. Dies dauert wenigstens 12 Stunden, so daß erst nach dieser Saugzeit eine Übertragung der Bakterien auf den Hund stattfinden kann. Eine Entfernung der Zecken innerhalb dieses Zeitraumes kann somit eine Infektion des Hundes verhindern.

Der Entwicklungszyklus der Borrelien schließt verschiedene Säugetiere und Vögel ein. Nach der Eiablage schlüpfen zunächst kleine sechsbeinige Larven, die an Mäusen saugen und sich dort zu achtbeinigen Nymphen häuten. Hier können sie sich mit den Borrelien infizieren. Die Nymphen saugen ebenfalls an Mäusen, können jedoch auch andere Warmblüter, wie Hirsch, Hund oder Mensch befallen. Tiere dieses Entwicklungsstadiums gelten als die wichtigsten Überträger für Hund und Mensch. Die Nymphe überwintert und häutet sich zur adulten Zecke. Die ausgewachsenen Zecken saugen wieder an verschiedenen Warmblütern, die Weibchen legen nach erfolgter Kopulation (Begattung) auf dem Waldboden Eier ab, und der Zyklus beginnt von Neuem.

Die Symptome der Borreliose bei Hund und Mensch bestehen im wesentlichen in einer Rötung der Bissstelle, die erstmals einen Tag nach einem Zeckenbiss zu beobachten ist und für ca. eine Woche bestehen bleibt. Beim Hund wird sie in aller Regel durch das Fell verdeckt und deshalb übersehen. Ein weitaus schwerwiegenderes Symptom stellt jedoch eine Lahmheit aufgrund einer eitrigen Gelenkentzündung dar. Diese Entzündungen entwickeln sich nach ca. 2-3 Monaten zunächst in Gelenken nahe der Bissstelle. Nach experimenteller Infektion heilen sie innerhalb weniger Tage ohne Behandlung aus. Andere Manifestationen wie Nierenentzündungen oder schwere Allgemeinerkrankungen sind ebenfalls beschrieben. Die beschriebenen Nierenentzündungen verliefen ausnahmslos tödlich, die Allgemeinerkrankungen sind dagegen durch eine antibiotische Therapie positiv zu beeinflussen.

Aufgrund des unklaren Krankheitsbildes kommt der erregerspezifischen Labordiagnose eine besondere Bedeutung zu. Diese ist jedoch schwierig und derzeit noch problematisch. Grundsätzlich lassen sich die Borrelien beim lebenden Tier aus Hautbiopsien, beim toten Tier aus verschiedenen Organen (Gelenke, Muskulatur, u.a.) isolieren. Die Kultivierung ist jedoch aufwendig und der Versuch fällt aufgrund verschiedener Faktoren trotz Vorhandensein von Bakterien bisweilen negativ aus. Sehr sensitiv und von guter Aussagekraft ist dagegen der Nachweis der Borrelien durch die Polymerase-Kettenreaktion. In diesem sehr empfindlichen Test wird die DNS der Bakterien nachgewiesen. Auch hier ist als Probe eine Hautbiopsie aus der Gegend der Bissstelle oder aus der Nähe eines betroffenen Gelenkes am besten geeignet. Neben den beschriebenen Tests zum Erregernachweis ist die Bestimmung von Antikörpern gegen Borrelien möglich. Diese aufgrund ihrer Einfachheit häufig genutzte Methode ist jedoch außerordentlich problematisch und die erhaltenen Ergebnisse verlangen eine sorgfältige und kritische Interpretation. Die Serologie erfolgt entweder mittels ELISA oder indirekter Immunfluoreszenz gegen ein Antigen, das Aufarbeitungen ganzer Bakterien enthält. Dieses in der Regel nicht standardisierte Antigen birgt die Gefahr von nicht Borrelia-spezifischen Reaktionen, und damit falsch-positiven Ergebnissen. Ein Vergleich verschiedener Labors in den USA erbrachte bei identischen Proben nur eine ca. 50%ige Übereinstimmung der serologischen Ergebnisse. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Infektionen mit anderen apathogenen Spirochäten in der Maulhöhle, die zum Beispiel im Zahnstein vorkommen, diese Tests stören. Es ist ferner wichtig, den Zeitpunkt der Blutentnahme zu berücksichtigen. Antikörper sind nämlich erst etwa 4-6 Wochen nach der Infektion nachzuweisen. Sie steigen bis etwa zur 12. Woche und sinken dann wieder ab.

Sie steigen aber vor dem erneuten Auftreten klinischer Symptome wieder an. Das Ergebnis der Untersuchung einer einzigen Blutprobe ist daher häufig schwierig zu interpretieren. Sehr hohe Titer (>l000) bei einem klinisch kranken Hund deuten auf eine Erkrankung hin, niedrige Titer (<500), die bei den meisten Untersuchungen nachzuweisen sind, sind dagegen wenig aussagekräftig. Die Antikörpertiter scheinen zudem unter antibiotischer Therapie zu sinken, was eine Beurteilung weiterhin erschwert. Zusammenfassend sei noch einmal ausdrücklich auf die Vorteile eines Erregernachweises hingewiesen, denn nur er erlaubt die Diagnose “Borrelieninfektion”. De Nachweis einer Reaktivität gegen nicht standardisierte Antigene im Serum eines Hundes ist dagegen häufig ohne Aussage.

Eine Therapie der Borreliose über mindestens 30 Tage ist durch Doxycyclin in Tablettenform möglich. In vergleichenden Studien hat sich dieses Antibiotikum als wirksam erwiesen, die klinischen Symptome günstig zu beeinflussen. Eine vollständige Eliminierung der Bakterien wird durch die Therapie jedoch nicht erreicht. Eine Impfung gegen die Borreliose ist möglich, der erste Impfstoff für Hunde wurde kürzlich in Deutschland zugelassen. Bei einem bereits infizierten Hund vermag aber auch er eine Eliminierung der Erreger nicht zu bewirken. Die Wirksamkeit gegen Vertreter anderer Serogruppen ist unbekannt, und erwünschte sowie unerwünschte Wirkungen dieser Vakzine beziehungsweise auch künftig zu entwickelnder Vakzinen müssen nach einer gewissen Anwendungsphase kritisch diskutiert werden.

Wichtiger als jegliche Impfung ist aber eine wirksame Zeckenprophylaxe am Tier. Es sind eine Reihe sehr gut wirksamer und verträglicher Substanzen in verschiedenen Verabreichungsformen verfügbar, die bei konsequenter Anwendung vor einem Zeckenbefall und damit vor den durch die Parasiten übertragenden Infektionskrankheiten schützen.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch ein Virus hervorgerufene, auf das Gehirn übergreifende Entzündung der Hirnhäute. Die Erkrankung wird durch das FSMEVirus verursacht, das ebenfalls durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen wird. Das Virus ist in ganz Europa zu finden, aufgrund des Zwischenwirtes Zecke beschränkt sich die Verbreitung jedoch auf sogenannte Endemiegebiete (Abbildung 23), in Deutschland ist dies insbesondere der Schwarzwald und der Bayerische Wald.

  • Abbildung 23: In Deutschland gibt es zwei Hauptgebiete für das Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis.
  • Abbildung 23: In Deutschland gibt es zwei Hauptgebiete für das Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Abbildung 23:
In Deutschland gibt es zwei Hauptgebiete für das Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis: Bayerischer Wald und Schwarzwald.







Wichtig für die Obertragung des Virus ist, dass es schon zu Beginn des Saugaktes, das heißt innerhalb weniger Minuten übertragen wird und im Gegensatz zur Borreliose kein langes Verbleiben der Zecke auf dem Wirt erforderlich ist. Beim Menschen verlaufen etwa 90% aller Infektionen unauffällig, die restlichen 10% mit mehr oder weniger deutlichen Symptomen. Etwa 2% der erkrankten Personen sterben an dieser Infektion. Über die Bedeutung beim Hund herrscht derzeit keine endgültige Klarheit. Die Infektion des Hundes ist grundsätzlich möglich und es sind vereinzelt klinische Fälle bei Hunden in Österreich, der Schweiz und in Deutschland nachgewiesen worden. Insgesamt jedoch scheint der Hund sehr viel weniger anfällig für das Virus zu sein als der Mensch. Wenn ein Tier jedoch erkrankt, so ist das klinische Bild schwer und die Infektion verläuft häufig tödlich.

Beim Hund werden nach den ersten unspezifischen Symptomen wie Fieber und einer Wesensänderung auch Zeichen einer Gehirnentzündung beobachtet. Diese können sich je nach Ausmaß der Schädigung im Gehirn als Krampfanfälle, Zittern, Lähmungen, Schmerzen u.a. äußern. Differential diagnostisch muss in jedem Fall die Tollwut berücksichtigt werden, andere Erkrankungen wie Staupe und Tetanus müssen ebenso abgegrenzt werden. Hier empfiehlt sich aus tierseuchenrechtlichen Gründen immer eine Rücksprache mit dem Kreistierarzt im Veterinäramt. Eine intensive symptomatische Therapie, die in einer Fiebersenkung, Flüssigkeitsersatz und Ruhigstellung der Tiere besteht, führt in einzelnen Fällen zur Genesung.

Die Krankheitssymptome erlauben keine eindeutige Diagnose, so dass in jedem Fall ein virologischer Nachweis erfolgen muss. Eine sichere Diagnose ist die Bestimmung des Antikörpertiters im Gehirnwasser (Liquor cerebrospinalis). Der Virusnachweis im Liquor mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion kann ebenfalls versucht werden. Eine einmalige Bestimmung der Antikörper im Serum ist dagegen wenig aussagekräftig, da in den Endemiegebieten bis zu 30% der Hunde Antikörper aufweisen sollen, ohne je Krankheitssymptome zu zeigen.

Eine spezifische Maßnahme zur Prophylaxe einer FSME-Infektion stellt die Impfung dar. Zur Zeit ist zwar kein für den Hund zugelassener Impfstoff verfügbar, doch ist es möglich, den Impfstoff für Menschen beim Hund einzusetzen. Diese Vakzine ist wirksam und gut verträglich, aber im Vergleich zu ausgewiesenen Hundeimpfstoffen sehr teuer. Da es sich um eine Präparation inaktivierter Erreger handelt, ist eine Wiederholungsimpfung nach 3-4 Wochen notwendig. Eine jährliche Wiederholungsimpfung scheint notwendig zu sein, obwohl entsprechende Untersuchungen für den Hund fehlen. Für den praktizierenden Tierarzt ist es wichtig, daß er den Tierbesitzer darüber informiert, daß der Impfstoff nicht für den Hund zugelassen ist, und es ist empfehlenswert, darüber hinaus eine schriftliche Einverständniserklärung des Besitzers einzuholen.

Die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung durch Zecken übertragener Erreger ist die Bekämpfung der Zecken selbst. Es sind eine Reihe äußerst wirksamer Mittel verfügbar, die sicher einen Zeckenbefall verhindern. Hier ist aber unbedingt auf die regelmäßige Anwendung zu achten.

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