Andere INFEKTIONSKRANKHEITEN des Hundes


Papillomatose

Die canine Papillomatose ist eine Viruserkrankung des Hundes, die mit einer Warzenbildung einhergeht. In aller Regel befindet sich eine Vielzahl (50-100) Warzen vor allem an der Haut des Kopfes und in der Maulhöhle (Abbildung 24). Seltener treten sie an den Lidbindehäuten oder an anderen Lokalisationen auf. Die Inkubationszeit beträgt etwa 4-8 Wochen, eine spontane Selbstheilung wird nach weiteren 4-8 Wochen gesehen. Die Papillomatose tritt nahezu ausschließlich bei jungen Hunden (<2 Jahre) auf. Offensichtlich sind Hunde nach einer durchgemachten Infektion geschützt oder ältere Hunde sind unempfindlich für eine Infektion. Die Infektionen erfolgen über Hautwunden, die im Maulbereich durch die mechanische Beanspruchung immer vorhanden sind. Obwohl die Viren in der Umwelt sehr stabil sind, ist anzunehmen, daß die meisten Infektionen nach direktem Kontakt mit infizierten Hunden stattfinden.

  • Abbildung 24: Die Papillomatose des Hundes geht mit einer Warzenbildung vor allem im Maulbereich einher.
  • Abbildung 24: Die Papillomatose des Hundes geht mit einer Warzenbildung vor allem im Maulbereich einher.

Abbildung 24:
Die Papillomatose des Hundes geht mit einer Warzenbildung vor allem im Maulbereich einher.





Die Diagnose kann durch eine histologische Untersuchung einer Gewebeprobe (Warze) gestellt werden, der Erregernachweis ist durch Darstellung von typischen PapillomvirusPartikeln in verriebenem Warzenmaterial mittels Elektronenmikroskopie möglich. Für beide Untersuchungen ist die Entnahme einer oder mehrerer Warzen und ihre Versendung an die Untersuchungslabors in physiologischer Kochsalzlösung erforderlich.

Eine Therapie ist häufig nicht notwendig, und nur bei mechanisch störenden Zubildungen oder bakteriellen Sekundärinfektionen ist eine operative Entfernung angezeigt. Die spontane Heilung der anderen Warzen soll durch diese Maßnahme beschleunigt werden. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre die Freisetzung von Antigen während der Operation und eine daraufhin induzierte Stärkung der Immunantwort gegen das Virus. Auch die Herstellung einer tierspezifischen Vakzine (“Autovakzine”) ist möglich. Die Wirksamkeit einer solchen Vakzine ist jedoch nicht erwiesen und ihr Wert wird kontrovers diskutiert.

Canines Coronavirus

Das canine Coronavirus (CCV) kann eine Darmentzündung bei Hunden verursachen. Das Virus ist in den Hundepopulationen weit verbreitet und verursacht eine nur milde Erkrankung (Abbildung 25).

  • Abbildung 25: Der Kot bei der Coronavirusinfektion (unten) ist in der Regel ohne Blutbeimengungen, im Gegensatz zu dem "typischen" Parvoviruskot (oben).
  • Abbildung 25: Der Kot bei der Coronavirusinfektion (unten) ist in der Regel ohne Blutbeimengungen, im Gegensatz zu dem "typischen" Parvoviruskot (oben).

Abbildung 25:
Der Kot bei der Coronavirusinfektion (unten) ist in der Regel ohne Blutbeimengungen, im Gegensatz zu dem “typischen” Parvoviruskot (oben).




Seine Bedeutung als Krankheitserreger ist daher gering, im Gegensatz zum caninen Parvovirus kommt es nicht oder nur sehr selten zu Todesfällen. Das canine Coronavirus ist einem wichtigen Virus der Katze, dem der felinen infektiösen Peritonitis (FIP-Virus) sehr ähnlich. Jüngere Erkenntnisse haben gezeigt, daß einige Isolate des felinen infektiösen Peritonitis-Virus tatsächlich Rekombinante (Viren, die Teile von mehreren verschiedenen Viren besitzen) aus dem caninen Coronavirus und dem felinen Coronavirus darstellen. Dieser Befund sowie die enge serologische Verwandtschaft zwischen den Coronaviren des Schweines, des Hundes und der Katze könnten auf eine Übertragung zwischen diesen Tierarten hindeuten.

Die Infektion der Hunde erfolgt durch Kontakt mit dem Kot infizierter Tiere. Dabei spielt sicher der direkte Kontakt zwischen Hunden (wie das Beschnuppern) eine große Rolle, da das canine Coronavirus in der Umwelt schnell zugrunde geht. Die Infektion scheint sich auf die Darmzellen zu beschränken, ohne daß es zu einer generellen Ausbreitung des Virus durch eine Virämie kommt. Klinisch steht daher eine in aller Regel milde, nicht-hämorrhagische Diarrhöe im Vordergrund, die auf eine symptomatische Therapie (Flüssigkeitsersatz, Verabreichung von Antibiotika) gut anspricht. Das Virus wird von erkrankten und nicht erkrankten Tieren über den Kot ausgeschieden. Die Dauer der Ausscheidung ist in der Regel kürzer als zwei Wochen.

Die virologische Diagnose kann durch elektronenmikroskopische Untersuchung von Kotproben beziehungsweise durch Isolierung des Virus in der Zellkultur gestellt werden. Ein positiver Virusnachweis bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eine ursächliche Beteiligung des Virus an der Erkrankung, da das CCV weit verbreitet ist, und langanhaltende Infektionen ohne Krankheitssymptome nicht selten zu sein scheinen.

Ein Impfstoff ist in Deutschland nicht verfügbar. Aufgrund der Ähnlichkeit mit dem FIP-Virus der Katze scheint hier das Risiko der Entstehung einer ähnlichen Erkrankung nicht ausgeschlossen. Diese grundsätzliche Gefahr sollte bei der Entwicklung eines Impfstoffes, für den aufgrund des geringen pathogenen Potentials des Virus zur Zeit kein Bedarf besteht, sorgfältig abgewogen werden.

Canines Rotavirus

Nur in seltenen Fällen werden Rotaviren bei Hunden mit Durchfall nachgewiesen (Abbildung 26). Diese Isolate sind wenig charakterisiert, auch die Epidemiologie dieser Infektionen ist unklar. Die Infektionen der Hunde durch Rotaviren verlaufen ausnahmslos mild, daher spielen diese Viren als Krankheitserreger beim Hund keine Rolle. Anders ist dies bei Rotavirusinfektionen des Menschen: Sie stellen in den so genannten Entwicklungsländern eine der Hauptursachen der Kindersterblichkeit dar. Mit humanen Rotaviren lassen sich experimentell auch Hunde infizieren. Basierend auf diesen Befunden scheint eine Gefährdung des Menschen, insbesondere von Kindern, durch Rotaviren des Hundes nicht ausgeschlossen.

Der Hund infiziert sich durch Kontakt mit virushaltigem Kot. Da das Virus relativ stabil ist, ist dabei kein direkter Tierkontakt notwendig. Die Virusvermehrung findet daraufhin in den Darmzellen statt, die dabei geschädigt werden.

  • Abbildung 26: Rotaviruspartikel im Kot eines Hundes.
  • Abbildung 26: Rotaviruspartikel im Kot eines Hundes.

Abbildung 26:
Rotaviruspartikel im Kot eines Hundes.





Nachkommenvirus wird mit dem Kot ausgeschieden und kann weitere Hunde infizie-ren. Rotaviren sind nicht so stabil wie Parvoviren und können durch gängige Desinfek-tionsmittel leicht inaktiviert werden. Da Rotaviren auch klinisch unauffällige Infektionen setzen und Hunde ohne Durchfall Viren ausscheiden können, sollte unbedingt auf ei-nen hygienischen Umgang mit Tieren geachtet werden. Dies gilt insbesondere für Kin-der, und das nicht nur wegen einer möglichen Gefährdung durch Rotaviren.

Tetanus, Wundstarrkrampf

Infektionen mit dem Bakterium Clostridium tetani können auch bei Hund und Katze den Wundstarrkrampf hervorrufen. Das Bakterium ist in der Umwelt weit verbreitet und in der Lage, mit Hilfe spezieller Dauerformen (Sporen) sehr lange Zeit in der Umwelt zu überleben. Gelangt es in eine Wunde (die Infektion kann über große Wunden (Schnittwunden, Drahtverletzungen o.ä., oder aber über kleine Wunden, zum Beispiel Kratzer, die man sich beim Graben zuzieht, erfolgen), können sich die Sporen in eine Form wandeln, die sich vermehrt und dabei ein Toxin produziert, das über die Nerven in das Rückenmark und Gehirn transportiert wird und dort die Funktion bestimmter Nervenzellen hemmt. Das Toxin führt zu einer langanhaltenden Aktivierung der motorischen Nerven und daraus folgend zu einer Anspannung und Verkrampfung von Muskeln der Gliedmaßen und des Rumpfes.

Hund und Katze sind sehr unempfindlich für das Toxin, weshalb der Tetanus bei diesen Tieren sehr selten ist. Wenn tatsächlich eine Erkrankung vorliegt, sind die Symptome häufig lokalisiert und auf einzelne Gliedmaßen beschränkt.

Außer der klinischen Diagnostik besteht keine praktikable Möglichkeit, eine Clostridium tetani-Infektion nachzuweisen. Typisch ist bei schweren Fällen eine Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur (Risus sardonicus), eine sägebockartige Haltung sowie eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit und Geräuschempfindlichkeit der Tiere.

Die Behandlung besteht in der Verordnung absoluter Ruhe, der Verabreichung von einem spezifischen Antiserum (“Antitoxin”) und einer Behandlung mit Penicillin, um gegebenenfalls noch in der Wunde vorhandene Clostridium tetani-Keime abzutöten. Die Wirkung des Toxins ist zeitlich begrenzt und wenn die lebensnotwendigen Funktionen erhalten werden, können sich die betroffenen Tiere vollständig erholen. Die Seltenheit der Erkrankung bei Hund und Katze rechtfertigt nicht die regelmäßige Impfung dieser Tiere. Wenn sie jedoch gewünscht wird, kann sie mit den verfügbaren Veterinärvakzinen ohne weiteres durchgeführt werden.

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