Spezieller Teil
INFEKTIÖSE FRUCHTBARKEITSSTÖRUNGEN
des Hundes
Die infektiösen Fruchtbarkeitsstörungen des Hundes sind, verglichen mit den “klassischen” Infektionskrankheiten, wenig erforscht. Sie können beim Hund von spezifischen Erregern verursacht werden, die praktisch ausschließlich diese Krankheiten verursachen und hier in aller Kürze vorgestellt werden sollen:
Brucella canis (B.c.): Dieses Bakterium ist weltweit ein wichtiger Erreger von Fruchtbarkeitsstörungen beim Hund und besitzt darüber hinaus eine besondere Bedeutung als Zoonoseerreger. In Deutschland spielt B.c. dagegen keine Rolle, und in den letzten Jahren wurde nur ein einziger Fall einer B.c.-Infektion serologisch bestätigt. Dennoch ist die Kenntnis dieses Erregers und die durch ihn verursachte Erkrankung wichtig, um eine Einschleppung frühzeitig zu erkennen und eine mögliche Verbreitung in Zuchtbetrieben zu verhindern. Geprägt ist die Infektion vor allem durch Fehlgeburten bei einer ansonsten gesund erscheinenden Hündin etwa 2 Wochen vor dem errechneten Termin. Ebenfalls typisch ist die gleichzeitige Erkrankung des Deckrüden, bei dem vor allem Hoden> und Nebenhodenent-zündungen auffällig sind. Häufig ist als Reaktion auf den dadurch bedingten Schmerz ein Leckekzem an der Skrotalhaut zu beobachten. Das Bakterium wird monatelang über Urin, Sperma und Vaginalsekret ausgeschieden.
Die Diagnostik basiert in Deutschland auf dem Nachweis von B.c.-Antikörpern in der Immundiffusion oder durch Mikroagglutination. Eine Behandlung infizierter Tiere ist grundsätzlich möglich, das Erreichen einer echten Erregerfreiheit allerdings fraglich. Aus seuchenhygienischen Gründen ist in jedem Fall darauf zu drängen, infizierte Tiere aus der Zucht zu nehmen und eine Verbreitung des Erregers durch Kastration der betroffenen Hunde zu verhindern.
Minute Virus of Canines (MVC): Dieses interessante Virus ist in seiner Bedeutung bislang wenig untersucht. Experimentelle Infektionen und Studien zu seiner Verbreitung deuten jedoch auf eine Rolle als Erreger von Fruchtbarkeitsstörungen beim Hund hin. Das Virus ist in Deutschland weit verbreitet. In vorläufigen Untersuchungen fanden wir bei etwa 50% der untersuchten Zuchthündinnen Antikörper gegen das Virus, und nach einem Abort eines Yorkshire-Terriers konnte Virusantigen im fetalen Gewebe nachgewiesen werden. Bei der Infektion einer tragenden Hündin kann es zum Fruchttod und nachfolgender Auflösung der Feten oder einer Fehlgeburt kommen, in Einzelfällen auch zu Mißbildungen. Bei gesund geborenen Welpen werden ferner Herzmuskelentzündungen beobachtet, nach Infektion von Welpen in den ersten Lebenstagen stehen dagegen Erkrankungen des Atmungstraktes (Lungenentzündungen) und Darmentzündungen im Vordergrund.
Die Diagnose der MVC-Infektion ist außerordentlich schwierig, heute jedoch mit molekularbiologischen Methoden aus Organmaterial von erkrankten oder toten Welpen möglich. Mit der Verfügbarkeit eines schnellen und praktikablen Nachweisverfahrens ist es nunmehr möglich, die Bedeutung dieses Erregers für die Hundezucht zu untersuchen und gegebenenfalls die Notwendigkeit der Entwicklung einer Immunprophylaxe neu zu diskutieren.
Canines Herpesvirus (CHV): Der wichtigste Erreger von Fruchtbarkeitsstörungen des Hundes ist das canine Herpesvirus. Die Existenz dieses Virus ist zwar den praktizierenden Tierärzten und häufig auch den Züchtern bekannt, es herrscht dennoch häufig Unsicherheit bei der Interpretation von serologischen Untersuchungsergebnissen und im Umgang mit seropositiven Zuchttieren.
Das CHV kann eine Reihe von klinischen Manifestationen verursachen. Neben den hier zu besprechenden Fruchtbarkeitsstörungen sind Schleimhautschäden v.a. im Bereich des Genitaltraktes sowie Beschwerden im Atmungstrakt im Rahmen des Zwingerhustenkomplexes zu beobachten.
Das klinische Bild der CHV-Infektion ist abhängig vom Zeitpunkt der Infektion der Föten beziehungsweise der Welpen. Obwohl eine intrauterine Infektion mit nachfolgendem Abort möglich ist, stellt die Infektion der Welpen in der ersten Lebenswoche das häufigste Ereignis dar. Entscheidend ist auch hier die besondere Epidemiologie von Herpesvirusinfektionen. Das Virus etabliert in einem infizierten Hund nämlich eine lebenslange, so genannte latente Infektion, in deren Verlauf es schubweise ausgeschieden werden kann. Als Orte der Latenz sind beim CHV Nervenzellen der Trigeminal- und Sakralganglien identifiziert worden. Während dieser Phase ist die Virusvermehrung unterbrochen, auf einen Reiz (Stress, Geburt oder andere) hin kann die Vermehrung wieder anlaufen. Dabei breitet sich das CHV zu den Schleimhäuten der Geburtswege und des Nasen-Rachenraums aus, und es kommt zur Virusausscheidung.
