Ergebnisse diagnostischer Untersuchungen zum Nachweis von Leptospireninfektionen
Bei Schweinen in Deutschland (2003/2004) mit dem Mikroagglutinationstest (MAT) und der PCR
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Einleitung
Das Schwein kann sich mit jeder pathogenen Leptospiren-Serovar infizieren. Es sind über 260 verschiedene Serovaren beschrieben, die ihrerseits wieder aufgrund antigenetischer Verwandtschaft in Serogruppen zusammengefasst werden, z.B. die Serovaren Australis und Bratislava in der Serogruppe Australis. Die Serovaren sind wirtsspezifisch in einem bestimmten Gebiet, nur wenige Serovaren davon sind endemisch. Die Epidemiologie von Leptospiren-Infektionen variiert somit zwischen den Regionen und ist durch die Spezies des Reservoir-Wirtes sowie durch geografische und klimatische Faktoren bestimmt. Das Schwein gilt inzwischen als der Reservoir-Wirt für Serovaren der Serogruppen Pomona, Tarassovi und Australis. Pomona ist die aus dem Schwein am häufigsten isolierte Serovar. Mit den Serovaren Canicola, Icterohaemorrhagiae und Grippotyphosa kann sich das Schwein über den Tierharn der jeweiligen Reservoir-Wirts-Spezies oder die kontaminierte Umgebung, insbesondere Wasser und Gewässer, infizieren. Die Serovar Bratislava und seltener die Serovar München verursachen die häufigsten an das Schwein adaptierten Leptospiren-Infektionen in den letzten Jahren und serologische Daten weisen auf eine weltweite Verbreitung von Bratislava-Infektionen.
Die Infektionskrankheit Leptospirose ist eine Zoonose mit weltweiter Verbreitung und Bedeutung. Die beim Mensch, Schwein und Schaf festgestellte Leptospirose ist in Deutschland meldepflichtig. Aufgrund geringer oder häufig fehlender klinischer Symptome in der akuten Phase der Leptospirose ist die klinische Diagnose unsicher und die Diagnostik stutzt sich auf direkte und indirekte Nachweismethoden von Leptospiren. Aber auch die Isolierung, insbesondere aus klinischem Material, ist extrem schwierig und sehr zeitaufwändig und ist nur von wenigen dafür spezialisierten Laboratorien durchführbar. Daher werden häufig serologische Verfahren zur Diagnose der Leptospirose angewandt, wobei der Mikroagglutinationstest (MAT) die Referenzmethode ist und gewöhnlich auch zur Ermittlung von Seroprävalenzen eingesetzt wird. Seit der Ausgabe des Manual of Diagnostic Tests and Vaccines for Terrestrial Animals herausgegeben vom internationalen Tierseuchenamt (OIE, Paris) aus dem Jahr 2000 gilt ein Titer von 1:100 als signifikant für eine Leptospirose (OIE, 2005). In Deutschland liegen zurzeit keine aktuellen Daten zur Prävalenz von Leptospireninfektionen beim Schwein vor. Jüngste Untersuchungen stammen aus dem Jahre 1984.
Material und Methode
Ergebnisse diagnostischer Untersuchungen von 9116 Schweineseren auf Antikörper gegen Leptospiren mittels MAT aus den Jahren 2003 und 2004.
Informationen zu den Einsendungen sowie die Untersuchungsergebnisse wurden im Rahmen des Integrierten Veterinärmedizinischen Informations- und Steuerungssystems (IVIS) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover mit der Software Ticono-LC (Ticono GmbH, Hannover) erhoben und verwaltet. Mit Hilfe eines Abfrage-Tools wurden die Daten des gewünschten Zeitraums und der o.g. Fragestellung gefiltert und in Excel exportiert.
Für 553 Schweine lag ein klinischer Vorbericht mit Merkmalen vor, anhand dessen Hinweise für (Fieber, Umrauschen, Abortfalle, lebensschwache Ferkel etc.) oder gegen das Vorliegen einer Leptospirose abgeleitet werden konnte. Danach wurden 357 Schweine aus 32 Betrieben als “klinisch krank” eingestuft; es lag Untersuchungsmaterial von 32 dieser Tiere für die Untersuchung mittels PCR zur Verfugung. 196 Schweine aus 5 Bestanden galten als “klinisch gesund”; von 44 dieser Tiere war Untersuchungsmaterial für eine Untersuchung mittels PCR verfügbar.
Die MAT wurde gemäß OIE-Manual 2000 mit folgenden Referenzstammen als Testantigene durchgeführt: Australis, Bratislava, Canicola, Grippotyphosa, Copenhageni, Icterohaemorrhagiae, Pomona, Hardjo, Saxkoebing und Tarassovi. Die PCR zum Nachweis pathogener Leptospiren wurde nach der Methode von Theodoridis (2004) durchgeführt. Die statistische Analyse der epidemiologsichen Befunddaten erfolgte vorrangig deskriptiv nach Einsendezeitraume, Herkunfts-Bundesländer und Serovaren mit dem Statistical Analysis System (SAS Version 8.04).
Ergebnisse und Diskussion
Im gesamten Untersuchungszeitraum von zwei Jahren (Januar 2003 bis Dezember 2004) waren 51,5% der insgesamt 9116 untersuchten Seren von Schweinen mit einem Titer ≥100 positiv, 9,9% dieser Seren hatten einen Titer ≥400 (Abb. 1). Die Anzahl an untersuchten Proben verdoppelte sich nahezu mit 3233 eingesandten Proben im Jahr 2003 auf 5883 im Jahr 2004. Der Anteil Positiver stieg von 46,5% aus 54,2% (Abb. 1). In einer detaillierten Analyse zeigt die Einsendungshäufigkeit mit der Häufigkeit positiver Testergebnisse im zeitlichen Verlauf eine deutliche Gleichläufigkeit. Dies gibt Hinweise darauf, dass die Zunahme an Untersuchungen auf Leptospiren möglicher Weise mit einem entsprechend zunehmenden Krankheits- bzw. Infektionsverdacht verbunden ist.
Die häufigste Serovar bei den MAT-positiven Ergebnissen war Bratislava (Bra) mit einem Anteil von 47,3% (91,9% an allen Positiven), mit großem Abstand gefolgt von Grippotyphosa (Gri) mit 9,3%, Australis (Aus) 3,5% und Pomona (Pom) 1,0 % (Abb.2). Reaktionen mit weiteren getesteten Serovaren lagen unter 1%.
Damit reihen sich die Ergebnisse in eine Fülle von Veröffentlichungen mit serologischen Daten ein, die auf eine weite Verbreitung von Bratislava-Infektionen beim Schwein hinweisen und vermuten lassen, dass auch in Deutschland das Schwein der Reservoir-Wirt für Bratislava geworden ist. Bei den Reaktionen mit Grippotyphosa (Gri) kann gemutmaßt werden, dass diese Infektionen durch wildlebende Tiere übertragen wurden.
Häufigkeitsanalysen von Subkollektiven der eingesandten Proben, wie I) Proben aus Schweinebeständen, in denen es sowohl klinische Hinweise als auch positive PCR-Befunde fur eine Leptospirose gab, II) Proben aus klinisch gesund erscheinenden Betrieben, in denen nur bei 2 von 44 Schweinen (5%) Leptospiren mittels PCR nachzuweisen waren und III) Proben aus Betrieben, die im Rahmen von regelmäßigen Gesundheitsmonitorings untersucht wurden, ergaben signifikante Unterschiede in der Häufigkeit serologisch positiver Ergebnisse (s. Tab.1). So waren Tiere aus klinisch verdächtigen Herden nahezu doppelt so haufig positiv wie Schweine aus klinisch unverdächtigen Herden bzw. Herden, deren Gesundheitsstatus im Rahmen von regelmäßigen Untersuchungen (Monitorings) überpruft wurde.
Die Analyse von Subkollektiven nach Einzugsgebiet, Untersuchungsanlass und weiteren diagnostischen Befunden zeigten zwar einerseits, dass das Kollektiv der Einsender zu Selektionen und damit zu Verzerrungen fuhren kann, aber auch andererseits, dass Ergänzungen von Informationen bei routinediagnostischen Einsendungen (Untersuchungsanlass, klinische Vorberichte, Untersuchungsergebnisse weiterer diagnostischer Verfahren) Auswertungen mit epidemiologischen Trends möglich machen.
Dr. Katrin Strutzberg-Minder
IVD Gesellschaft für Innovative Veterinärdiagnostik mbH
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