Kaus Teich, Bad Oldesloe
Die BVD und ihre Bekämpfung ist immer wieder Anlass für kontroverse Diskussionen. Das vielgesichtige, in der Regel sehr betriebsspezifische Erscheinungsbild dieser Erkrankung sowie die langen unübersichtlichen Zeitabläufe bis zum endgültigen Aufschaukeln der Bestandsproblematik erschweren das rechtzeitige Erkennen. Die Diagnostik scheint häufig schwierig und wenn endlich Klarheit über das Problem besteht, hagelt es Patentrezepte. Es ist Hintergrundwissen notwendig, um betriebsindividuelle Entscheidungen zu treffen und kosteneffektive Maßnahmen einzuleiten und zu kombinieren. Für das Ziel, das BVD-Virus aus den Beständen nachhaltig zu verdrängen, bieten neue Erkenntnisse und Entwicklungen bei den verfügbaren Werkzeugen neue Ansätze.
-
Foto 1: Rinderfetus am 86. Trächtigkeits-
tag. In dieser Trächtigkeitsphase
führen transplazentare BVD-Virusinfek-
tionen zur Entstehung von
Dauerausscheidern
(Originalfoto: Universität Zürich)
Die BVD – nicht immer sichtbar, aber allgegenwärtig
Die BVD gilt generell als eine der verlustreichsten Infektionskrankheiten des Rindes. Die durch sie verursachten Verluste für die bundesdeutsche Rinderhaltung werden mit durchschnittlich 23,- € je Abkalbung beziffert. Für akut betroffene Betriebe sind diese Verluste um ein Vielfaches höher als dieser Durchschnittswert, der auch problemfreie Betriebe in die Rechnung mit einschließt.
Was macht diese Infektionskrankheit so verlustreich?
Die Verluste werden vom BVD-Virus bereits über lange Zeit “vorbereitet”, ohne dass der Bestand krank erscheint. Dann jedoch laufen die Schadensereignisse wie von einer Zeitschaltuhr gesteuert schematisch ab und erlauben lediglich ein Reduzieren dieser Schäden, aber für eine wirkliche Kontrolle des Geschehens ist es einfach zu spät. Aus der Not heraus wird nicht selten versucht, zu retten was noch zu retten ist. Die “Bergungsmaßnahmen für das Kind im Brunnen” sind jedoch wie so oft teurer und unbefriedigender als durch Prophylaxe (Vorbeugen) das zu bewahren, was heute aus anderen Gründen viel diskutiert wird – die Produktionssicherheit. Gerade jetzt ist die Milch einmal mehr zu einer der Haupteinnahmen der rinderhaltenen Betriebe geworden. Fruchtbarkeitsprobleme und hier an erster Stelle Aborte verursachen sehr große Milchverluste. Die akuten Probleme und ein Teil der Verluste können durch Impfmaßnahmen gelindert werden. Die Gesamtsituation ist aber zum Zeitpunkt manifester Probleme bereits verfahren. Daher einen kühlen Kopf bewahren und das Handeln nach vom ausrichten. Denn eins ist in den meisten Fällen bereits jetzt Gewissheit: Nach spätestens
4-7 Jahren wird dieser Betrieb wieder an derselben Stelle stehen, wenn er nicht systematisch gegensteuert.
Kein Grund zum Zurücklehnen
Regional unterschiedlich weisen bis zu 90 % der Rinder Antikörper gegen das BVD-Virus auf. D. h., diese Tiere haben sich während ihres Lebens bereits wenigstens einmal mit dem Virus der BVD auseinander setzen müssen. Der hohe Verbreitungsgrad des BVD-Virus in Deutschland ist Grund, dass nur sehr wenige Betriebe von der Erkrankung bisher verschont geblieben sind. Obwohl die meisten Bestände schon einmal durchseucht wurden, werden sie wieder BVD-Bestandsprobleme bekommen, da die BVD meistens zyklisch im Abstand von 4-7 Jahren wieder auftritt (Abb. 1). Daher besteht zu keinem Zeitpunkt die Veranlassung, sich zurückzulehnen und zu warten, bis (wieder) Krankheitsfälle, z. B. Mucosal Disease (MD), auftreten. Von der MD (Schleimhautkrankheit) sind nur Dauerausscheider (PI-Tiere, persistente Virämiker) betroffen, d. h., tritt MD auf, waren bereits eine geraume Zeit potente Virusquellen im Betrieb. Es wäre hier wieder einmal zu spät.
Frühwarnsysteme nutzen
Unabhängig von der momentanen Krankheitssituation eines Betriebes sollte eine BVD-Statuserfassung vorgenommen werden. Nur so ist es möglich, einen “BVD-Virus-Einschlag” rechtzeitig zu erkennen und dann ökonomisch sinnvoll und der jeweiligen Bestandssituation angepasst agieren zu können. Nur wer die anfänglich schwachen Veränderungen der schleichenden, sich aufschaukelnden Erkrankung in seinem Betrieb wirklich registriert, behält die Fäden des Handelns in der Hand. Da die Erkennung der Krankheit “mit bloßem Auge” aus ökonomischer Sicht regelmäßig zu spät kommt, müssen Hilfsparameter herangezogen werden. Eine solche Hilfe (Frühwarnsystem) stellt das so genannte Jungtierfenster dar. Es handelt sich dabei um eine stichprobenartige Untersuchung von Jungtieren im Alter zwischen 6-18 Lebensmonaten auf Antikörper (Serologie). Weist bereits diese Altersklasse Antikörper (Schutzstoffe) gegen das BVD-Virus auf, deutet dies auf die Anwesenheit eines Dauerausscheiders im Bestand hin.
