Aspekte einer effektiven Mastitistherapie
Einleitung
Mastitisbehandlungen gehören zu den häufigsten Anwendungen antibiotischer Mittel im Nutztierbereich. Trotz unterschiedlichster Präparate und ausgefeilter Therapiekonzepte sind die Ergebnisse dieser Behandlungen für Landwirte und Tierärzte häufig nicht zufriedenstellend. Die Anwender erwarten von den antibiotischen Behandlungen die Heilung mastitiskranker Viertel, die Reduktion der Anzahl klinisch kranker Tiere und die Senkung der Zellzahl der Herdensammelmilch. Häufig werden diese Erwartungen nicht erfüllt. Das Wiederauftreten klinischer Symptome (Flocken) wenige Tage nach Beendigung der Therapie oder nach Ablauf der Wartezeit weist auf eine missglückte Therapie oder auf eine Neuinfektion hin.
Die Therapie erkrankter Viertel bzw. Tiere kann selbst im günstigsten Fall nur zur Heilung des Viertels/Tieres führen, sie löst sicher kein Mastitisproblem eines Betriebes. Zur Lösung von Mastitisproblemen in einem Milcherzeugerbetrieb sind
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Schlechte Vorrausetzungen für gute Behandlungserfolge
vor allem Maßnahmen zur Verringerung der Neuerkrankungsrate erforderlich. Auch hier können therapeutische Maßnahmen richtig sein. Zumeist sind aber entweder hygienische Maßnahmen, die die Entwicklung der wichtigsten Mastitiserreger im Betrieb begrenzen oder Maßnahmen, die die Abwehrkraft der Tiere gegenüber Mastitiserregern erhöhen, erforderlich.
Der vorliegende Artikel versucht einige Aspekte der sachgerechten Arzneimittelanwendung bei Euterentzündungen aufzuzeigen. Ihre Berücksichtigung kann maximale Heilungsraten ermöglichen.
Anforderungen an das Bestandsmanagement
Die antibiotische Therapie euterkranker Milchdrüsenviertel muss als Hilfe zur Selbsthilfe des Tieres verstanden werden. Verschiedene Forschungsarbeiten zeigen, dass nur Tiere in einem stressarmen Umfeld und mit einer guten körpereigenen Abwehr optimale Heilungsraten nach Anwendung einer antibiotischen Behandlung aufweisen. D. h., dass die antibiotische Behandlung nie als Kompensationsmaßnahme von Managementfehlern dienen darf. Des Weiteren ist aus dieser Aussage abzuleiten, dass möglichst vor einer
Therapie alle Managementfehler minimiert oder abgestellt werden sollten.
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Tabelle 1: Anleitung zur sachgerechten Milchprobenentnahme
Haltung und Fütterung
Für die Entstehung und die Beseitigung von Mastitiden sind die Haltung und Fütterung der Kälber, Färsen und Kühe von elementarer Bedeutung. Die Art der Aufstallung, die Liegeflächen sowie deren Pflege und Einstreu, ihre Abmessungen und die Belegungsdichte des Stalles können es Mastitiserregern erleichtern, sich zu entwickeln und die Milchdrüse zu kontaminieren. Eine saubere und trockene Boxeneinstreu und ein kühles und trockenes Stallklima verringern die Wahrscheinlichkeit von Neuinfektionen. Mängel im Haltungsbereich erhöhen diese Wahrscheinlichkeiten.
Gleichzeitig verringern solche und andere bekannte Mängel die Abwehrkraft der Kuh, begünstigen andere Erkrankungen (z.B. Klauenerkrankungen) und können so eine erfolgreiche Mastitisbekämpfung verhindern.
In Betrieben mit immer wieder auftretenden eitrigen Wunden durch nicht tierartgerechte Liegeflächen oder solchen mit ausgeprägten Klauenerkrankungen durch schlecht gepflegte, feuchte und dreckige Klauen sind großangelegte Therapieversuche häufig unzufriedenstellend.
Neben Haltungsfehlern wirken Mängel der Futter- und Wasserversorgung nicht nur infektionsbegünstigend, sondern auch heilungsbegrenzend. Unzureichende Grundfutterqualitäten, aber vor allem auch nicht wiederkäuergerechte bzw. leistungsgerechte Rationen sind hier häufig. Verfettung der Tiere in der Spätlaktation, keine oder unzureichende Transitfütterung in den letzten Wochen der Trockenperiode, zu “scharfe” Rationen, zu geringe Trockenmasseaufnahme durch Mängel in der Futtervorlage – all diese Aspekte sind häufig für Stoffwechselstörungen wie Ketosen und Pansenacidosen verantwortlich. Diese zumeist unsichtbar – subklinisch – auftretenden Gesundheitsstörungen können sich erheblich auf die Abwehrfähigkeit der Tiere auswirken und Heilungsversuche zunichte machen.
