Wenn`s vor dem Schlachten noch mal brenzlig wird
Da nur noch Schweine mit exakt eingehaltenem Schlachtgewicht und Magerfleischanteil voll bezahlt werden, kann jede krankheitsbedingte Verzögerung teuer werden. Wie man bei einer Behandlung kurz vor dem Abliefern die Wartezeiten im Griff behält, erklärt Dr. Manfred Stein, Gyum.
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Keine Frage, dank der Möglichkeit, gegen den PRRS-Viras und Mycoplasmen zu impfen, verbunden mit verbesserter Hygiene und ausgefeiltem Management, hat sich die Gesundheit der deutschen Schweine deutlich verbessert. Trotzdem wird der eine oder andere Schweinemäster kurz vor dem feststehenden Schlachttermin plötzlich mit den Anzeichen akuter Lungenerkrankungen bei seinen Schweinen konfrontiert: Hohes Fieber bis 42,0 °C, Atemnot (Maulatmung im Hundesitz), verschärfte Atmung durch verkrampfte Bronchien (Bauchschlagen), Fressunlust, Abgeschlagenheit und Husten.
Auf Wartezeiten schauen!
Schweinemast ist Lebensmittelproduktion! Diese Erkenntnis wird um so deutlicher, wenn Arzneimittel kurz vor der Schlachtung verabreicht werden müssen. Dabei steht außer Frage, dass auch im Sinne des praktischen Tierschutzes kranke Tiere behandelt werden müssen. Gleichzeitig muss man wissen, dass die Wartezeiten der Arzneimittel immer einzuhalten sind. Selbst wenn bei der Schlachtung keine Rückstände oberhalb der so genannten MRL-Werte (Rückstandshöchstwerte) gefunden werden, geht der Gesetzgeber aus juristischer Sicht davon aus, dass innerhalb der Wartezeit für den Verbraucher schädliche Rückstände vorliegen. Zunächst ist es wichtig, in der ersten Aufregung nicht irgendein Arzneimittel zu spritzen. Man handelt sich oft sehr lange Wartezeiten ein. Präparate wie Pen-Strep haben 45 Tage und eine Gentamicin-Injektionslösung 60 Tage Wartezeit! Die nebenstehende Tabelle zeigt, wie unterschiedlich die Wartezeiten verschiedener Präparate sind. Kurz vor der Schlachtungen müssen deshalb besondere An forderungen an eine Behandlung gestellt werden:
Rascher Therapieerfolg
Werden Antibiotika eingesetzt, dann sollte man sie unverzüglich den kranken Tieren verabreichen, denn Bakterien lassen sich optimal in der Vermehrungsphase töten. Wenn sich die Bakterien teilen, sind sie besonders empfindlich. Haben sich erst einmal durch einen verzögerten Behandlungsbeginn große Bakterienmengen gebildet, werden ebenfalls große Antibiotikamengen benötigt. Bekanntlich besteht die Wirkung der Antibiotika in einer Bindung der Wirkstoffe an die Bakterienoberfläche oder in einem Einströmen in die Bakterienzelle.
Ist ein rascher Therapieerfolg gefordert, so sind Antibiotika mit bakterizidem Effekt zu bevorzugen, da diese Wirkstoffe sehr rasch wirken. Hierbei werden die Bakterien dauerhaft geschädigt, so dass eine unmittelbare Mitbeteiligung körpereigener Abwehrkräfte nicht notwendig ist. Voraussetzungen für eine Bakterienzerstörung sind:
- Die Keime müssen sich in der Wachstums- und Vermehrungsphase befinden.
- Keine gleichzeitige oder vorhergehende Behandlung mit keimhemmenden Chemotherapeutika, bei denen die Bakterien in ihrem Wachstum unterbrochen und so vor der Zerstörung geschützt werden.
- Ausreichende Behandlungsdauer.
- Genügend hohe Konzentration am Ort der Infektion (z. B. im Bronchialschleim).
- Optimale Dosierung.
Nach dem bakteriziden (keimzerstörenden) Prinzip arbeiten zum Beispiel Penicillin, Ceftiofur, Streptomycin, Neomycin, Ampicillin, Amoxicillin, Kanamycin, Gentamicin und Enrofloxadn. Hingegen hemmen oder unterbrechen bakteriostatische (keimhemmende) Antibiotika die Keimvermehrung nach einer unterschiedlich langen Einwirkzeit. Die Hemmung kann wieder aufgehoben werden, wenn die Konzentration des Chemotherapeutikums unter die so genannte minimale Hemmkonzentration abfällt. Daher ist die Aufrechterhaltung eines ausreichend hohen Wirkstoffspiegels am Infektionsort (z. B. im Bronchialschleim) über mehrere Tage erforderlich, um dem Immunsystem für die endgültige Keimvernichtung die notwendige Zeit zu geben. Hier müssen Behandlungszeiten von weit über fünf Tagen kalkuliert werden. Nach diesem Prinzip arbeiten Substanzen, wie Tetracyclin, Chlortetracyclin, Oxytetracyclin, Doxycyclin, Tylosin, Erythromycin und Tiamulin.
Natürlich lassen sich die Wirkprinzipien hier nur sehr oberflächlich darstellen. Der Fachmann unterscheidet noch eine Reihe von Sonderfällen mit vielen “Wenn und Aber”. Es soll hier nur verdeutlicht werden, dass es unsinnig ist, wahllos verschiedene Antibiotika gleichzeitig oder nacheinander einzusetzen. Nach Möglichkeit sollten keimhemmende und keimzerstörende Antibiotika nicht gleichzeitig eingesetzt werden.










