APP: Ein Erreger mit verschiedenen Gesichtern

Veterinärpraxis In einem Mastbetrieb wurde eine APP-Infektion festgestellt. Sichtbare Lungenerkrankungen der Schweine traten aber über längere Zeit nicht auf. Dann kam es zu plötzlichen Todesfällen. Tierarzt Jens Jungbloot, Praxis Dr. Heggemann in Tellingstedt, beleuchtet den Fall.





Heute soll ein Mastbetrieb mit 800 Mastplätzen und vorgelagertem Flatdeck vorgestellt werden. Dieser Betrieb wurde bis Ende 2004 kontinuierlich mit Mastferkeln aus einer Herkunft bestückt. Der Herkunftsbetrieb der Ferkel war PRRS-positiv. Deshalb wurden die Tiere beim Einstallen in das Fiatdeck gegen PRRS schutzgeimpft. Weiterhin war der Herkunftsbetrieb mit dem Erreger Lawsonia intracellularis (Ileitis/PIA) infiziert, so dass eine Metaphylaxe mit Tylosin bei der Umstallung vom Fiatdeck in die Mast durchgeführt wurde. Der Betrieb hatte keine nennenswerten gesundheitlichen Störungen und erzielte gute Mastleistungen.

Im August 2004 wurde ein routinemäßiger Lungencheck an den Schlachttieren durchgeführt. Dabei waren an den Lungen Verklebungen mit dem Brustfell sichtbar. Das Lungengewebe an diesen Stellen sah schwarzblutig aus. Auffällig dabei war, dass diese Veränderungen nur stellenweise die Hauptlappen betrafen (so genannte Buttons). In keinem Fall war die ganze Lunge betroffen.

Lungencheck gab Hinweis auf APP

Diese pathologischen Veränderungen an den Lungen sind eigentlich typisch für eine APP-Infektion, verursacht durch den Erreger Actinobacillus pleuropneumoniae. Doch eine gewisse Skepsis war auf Grund des Fehlens jeglicher klinischer Symptome vorhanden. Weitergehende Untersuchungen bestätigten aber diesen Verdacht. Es handelte sich um eine APP-Infektion mit einem Erreger des Serotyps 2. Eine Therapie wurde zunächst nicht eingeleitet und es traten auch weiterhin keine gravierenden Lungenerkrankungen auf.

Zu Beginn des Jahres 2005 wollte der Mäster aus arbeitswirtschaftlichen Gründen von der kontinuierlichen Belegung auf komplett Rein-Raus übergehen. Der bisherige Ferkellieferant konnte solche Partien nicht zur Verfügung stellen, deshalb wechselte der Landwirt zu einem anderen Ferkelerzeuger. Dieser Wechsel erfolgte “warm in warm”, also ohne eine komplette Ausstallung, Reinigung und Desinfektion. Die Ferkel des neuen Lieferanten waren frei von PRRS, PIA und PCV 2 (Circovirus). Die Tiere der neuen Herkunft wurden nur in separate Abteile, die vorher gründlich gereinigt und desinfiziert wurden, aufgestaut. Aus Sicherheitsgründen sind auch diese Tiere bei Einstallung in das Flatdeck gegen PRRS schutzgeimpft worden. In der Flatdeckphase bis Mitte Mast traten keine gesundheitlichen Probleme auf.

Bessere Leistungen nach Impfung

Die zweimalige Impfung der Ferkel in der 6. und 10. Lebenswoche kann in Betrieben mit APP-Problemen die Wirtschaftlichkeit verbessern. Das belegen die Ergebnisse eines in den Niederlanden durchgeführten Feldversuchs mit über 10 000 Ferkeln aus mehreren Betrieben. Eingesetzt wurde hier die Serotyp übergreifend wirksame Vakzine “Porcilis APP”. Im Vergleich der geimpften Tiere (über 4000 Ferkel/48 Gruppen) mit der Kontrollgruppe (rund 6000 Ferkel/69 Gruppen) zeigte sich in Beständen mit akuten und chronischen Krankheitsverläufen, dass durch die Impfung die Verluste in der Mast um 1,6 Prozent sanken. Gleichzeitig verbesserte sich die Futterverwertung um -0,12 und die Tageszunahmen stiegen im Schnitt um 30 g. Ausserdem konnten in den Impfbetrieben die Medikamentenkosten gesenkt werden. Unter dem Strich ließ sich in chronisch und akut infizierten Beständen ein Nutzen von etwa 5,50 bis 6,50 € pro Mastschwein durch die Impfung ermitteln. br -

  • Wenn nach dem Verenden der Tiere Blut aus den Nasen-
    löchern läuft, lässt das meist nur einen Schluss zu: APP.

Unerklärliche Todesfälle ohne vorherige Anzeichen

Ab Mitte Mast gab es dann aber immer wieder einzelne, plötzliche, unerklärliche Todesfälle ohne vorherige klinische Anzeichen. Von diesen perakut verendeten Tieren wurde eine Sektion durchgeführt. Pathologisch-anatomisch zeigte sich derselbe Befund wie bei dem Lungencheck im August 2004. Bakteriologisch wurde wieder der Erreger vom APP-Serotyp 2 nachgewiesen.


Es handelte sich also um den identischen Erreger, aber diesmal mit gravierenden Folgen.
Auf Grund des Sektionsergebnisses werden jetzt die Ferkel auf dem Fiatdeck mit einem handelsüblichen Impfstoff zweimal im Abstand von vier Wochen gegen APP geimpft. Klinische Krankheitserscheinungen sowie auf APP zurückzuführende Todesfälle in der Mast traten seitdem nicht mehr auf. Vom APP-Erreger gibt es 15 verschiedene Serotypen. In Europa sind am häufigsten die Serotypen 2, 3, 4, 7, 9 und 11 nachweisbar. Nicht alle Serotypen haben krankmachende Eigenschaften. Für diese Eigenschaft sind verschiedene zellzerstörende Toxine, die bei den einzelnen Serotypen unterschiedlich vorhanden sein können, verantwortlich. Daher kann das Krankheitsbild einer APP-Infektion durchaus unterschiedlich sein:

  • Perakute Form: Schwerste Lungenentzündungen mit Todesfällen oder Todesfälle innerhalb von 24 Stunden ohne vorherige Krankheitsanzeichen.
  • Akute Form: Schwere Lungenentzündungen mit Fieber bis 41 °C, vereinzelte Todesfälle innerhalb einer Woche.
  • Chronische Form: Husten und Leistungseinbußen stehen hier im Vordergrund.
  • Subklinische Form: Fehlen jeglicher Klinik, vor allem bei guten Haltungsbedingungen.


    Sollte eine Behandlung notwendig sein, haben sich Penicilline oder Tetracycline (z. B. Doxycyclin) bewährt. Für eine Prophylaxe ist die Impfung zu empfehlen (siehe auch “Steckbrief APP: Gefährlich
    durch Toxine”).

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