Steckbrief APP: Gefährlich durch Toxine
Der Erreger:
Actinobacillus pleuropneumoniae ist ein gram-negatives Stäbchenbakterium, das spezielle zeilschädigende Substanzen produziert und ausscheidet. Sie werden deshalb als Exotoxine bezeichnet, die zur Zerstörung von Lungenmakrophagen (Abwehrzellen der Lunge) und roten Blutkörperchen führen können. Ein Erreger kann verschiedene Exotoxine gleichzeitig ausscheiden. APP-Infektionen wurden bisher in allen europäischen Ländern, den USA, Kanada, Mexiko, Japan, Taiwan und Australien nachgewiesen. Der Erreger kommt nur beim Schwein vor und kann aus Nasenhöhlen, Tonsillen und Lungen infizierter Schweine isoliert werden.
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In den Lungen APP-infizierter Schweine sind
blutige Bereiche erkennbar, die auf auf eine
hochgradige Entzündung hinweisen.
Die Infektion:
Solange die Ferkel durch kolostrale Antikörper geschützt sind, tritt keine klinische Erkrankung auf. Die Übertragung von der Sau auf die Ferkel geschieht erst ab dem 11. Lebenstag (später Besiedler). Im Krankheitsgeschehen sind subklinische Infektionen die Regel. Klinisch tritt die Erkrankung hauptsächlich bei Tieren auf, die älter als sechs bis acht Wochen sind. Besonders hoch ist die Erkrankungsrate bei zehn bis 16 Wochen alten Masttieren. Denn in den ersten Wochen nach dem Einstallen in die Mast, auch begünstigt durch Umstallungsstress und zum Teil zusammengewürfelte Mastgruppen, ist das Risiko einer APP-Infektion besonders hoch. Bei einem typischen APP-Ausbruch kann der Anteil erkrankter Tiere im Bestand bei über 50 Prozent liegen, wobei ein bis zehn Prozent der Tiere verenden.
Das Überstehen einer natürlichen Infektion hinterlässt einen soliden Schutz, wobei der Erreger jedoch in der Lunge, den Tonsillen und auf der Schleimhaut der Bronchien weiterhin überlebt und ausgeschieden wird. Diese Schweine wie auch chronisch und latent infizierte Tiere spielen eine große Rolle bei der Verbreitung des Erregers in bisher erregerfreie Schweinebestände. Nach dem Einschleppen in eine Herde ist früher oder später mit einem akuten Krankheitsausbruch zu rechnen. Erste Symptome nach Infektion treten bereits nach ein bis fünf Tagen auf. Die Heftigkeit des Verlaufs hängt vom infizierenden Serotyp, vom Immunstatus des Wirtstieres und von der Erregerzahl ab. Ebenso spielen anderer Erreger wie PRRS- oder Influenzaviren sowie Pasteurellen und Mykoplasmen eine Rolle.
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Typisch bei Lungenerkrankungen wie APP ist die hundesitzige
Stellung der Schweine: Die Tiere atmen durch das Maul
und sitzen, um die Lunge zu entlasten.
Krankheitsbilder:
APP ist eine typische Multifaktorenkrankheit und benötigt zusätzliche Risikofaktoren, wobei das Management eine große Rolle spielt. Begünstigend für einen APP-Ausbruch sind vor allem:
- jegliches Umstallen,
- Mischen von Mastläufern aus verschiedenen Herkunftsbetrieben,
- kein Rein-Raus,
- schlechtes Stallklima (z. B. Stalltemperaturschwankungen, unzureichende Lüftungsraten), vorhergegangene Infektionen (niedriger Immunstatus der Tiere).
Die perakute Form (rasanter Verlauf) äußert sich in hohem Fieber bis 42,5 °C, Futterverweigerung, schweren Allgemeinstörungen und zunehmenden respiratorischen Beschwerden wie Maul- und Schnappatmung, wobei zur Entlastung der Brustorgane eine hundesitzige Stellung von den Tieren eingenommen wird. Eine blau-rote Verfärbung der Ohren sowie der Haut und Rüsselscheibe sind Zeichen einer ausgeprägten Kreislaufschwäche. Bei den am schwersten erkrankten Tieren tritt blutig-schaumiger Nasenausfluss auf. Die Tiere sterben innerhalb von 24 Stunden. Es kommt zu plötzlichen Todesfällen ohne vorhergehende Krankheitserscheinungen (siehe Praxisfall des Monats).
