Der KATZENSCHNUPFEN

Krankheitsbild und Verlauf: Beim Katzenschnupfen handelt es sich um eine Erkrankung des Nasen- und Rachenraums, in vielen Fällen auch der Bindehäute der Augen (Abb. 5). Die Krankheit tritt am häufigsten bei jungen Katzen im Alter von sechs bis zwölf Wochen auf. Die Dauer zwischen Infektion und ersten Krankheitssymptomen (Inkubationszeit) beträgt wenige Tage. Die ersten Symptome äussern sich als Niesen. Wenig später wird ein wässeriger Nasen- und Augenausfluss beobachtet. Oft, aber nicht immer, ist die Fresslust jedoch erhalten. Meistens verschwinden die Krankheitssymptome nach zehn bis zwölf Tagen von selbst. Gelegentlich kommt es aber zu weiteren Infektionen (Sekundärinfektionen), bedingt durch Bakterien, welche üblicherweise nicht zur Erkrankung führen. In diesem Fall wird der Nasenausfluss eitrig, und die Entzündungserscheinungen können sich auch auf die Nebenhöhlen der Nase ausdehnen. Diese Sekundärinfektionen durch Bakterien können durch Verabreichung von Antibiotika vom Tierarzt behandelt werden.

  • Abbildung 5: Katze mit Schnupfensymptomen, verursacht durch das Herpesvirus
  • Abbildung 5: Katze mit Schnupfensymptomen, verursacht durch das Herpesvirus

Abbildung 5:
Katze mit Schnupfensymptomen, verursacht durch das Herpesvirus: Das Tier zeigt Nasenausfluss, die Augen sind verklebt. Es ist klar, dass einem solchen Tier die Atmung schwerfällt. Man sollte hier versuchen, die Nasenöffnungen und Augen von Verkrustungen frei zu halten. Zur Bekämpfung der bakteriellen Sekundärinfektionen verabreicht der Tierarzt Antibiotika, bei allzu starker Austrocknung auch Infusionen mit Salzlösungen. Zu Austrocknung kommt es, wenn das erkrankte Tier wegen Schmerzen und Atemschwierigkeiten nicht mehr trinkt.

Das Virus und die Übertragung: Der Katzenschnupfen kann durch zwei Viren verursacht werden, nämlich durch das Herpesvirus der Katze und das Calicivirus. Aufgrund der Krankheitssymptome lässt sich die Ursache des Schnupfens in der Regel nicht genau erkennen, auch wenn das Herpesvirus eher zu Nasen- und Augenausfluss und das Calicivirus eher zu Veränderungen auf der Zunge führt (Abb. 6). Die Ansteckung einer empfänglichen Jungkatze erfolgt meistens durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, welches das Herpesvirus, das Calicivirus oder in schlimmen Fällen beide Viren mit dem Ausfluss oder durch Niesen freisetzt. Nach der Genesung hört die Virusausscheidung aber nicht automatisch auf. Ein Teil der Katzen wird auch nach einer scheinbaren Abheilung des Schnupfens weiterhin Virus ausscheiden und damit empfängliche Tiere gefährden.

  • Abbildung 6: Veränderungen der Zunge bei einer Katze mit Calicivirusinfektion
  • Abbildung 6: Veränderungen der Zunge bei einer Katze mit Calicivirusinfektion

Abbildung 6:
Veränderungen der Zunge bei einer Katze mit Calicivirusinfektion. Die Gewebeeinschmelzungen am Zungenrand sind deutlich zu erkennen.
Katzen mit solchen Veränderungen sollten mit weichem Futter versorgt werden, da das Zerkleinern von Trockenfutter sehr schmerzhaft ist.


Diagnose und Therapie: Die Diagnose Katzenschnupfen lässt sich aufgrund des Niesens, des Nasen- und des Augenausflusses stellen. Allerdings können diese Symptome in seltenen Fällen auch durch andere Erreger (Mykoplasmen, Chlamydien oder andere Bakterien) verursacht werden. Der direkte Nachweis von Herpes- und Caliciviren ist unter Praxisbedingungen nicht möglich; er wird lediglich in wenigen spezialisierten Labors durchgeführt, meistens mit der PCR-Technik (Polymerase Chain Reaction), einem molekularbiologischen Verfahren, mit welchem bestimmte Abschnitte des Genmaterials des nachzuweisenden Erregers in einem kleinen Kunststoffröhrchen “vermehrt” und damit nachweisbar gemacht werden. Die “Vermehrung” beruht auf einer – durch ein bestimmtes Enzym bewirkten spezifischen – Verdoppelung des betreffenden Genabschnitts, wobei nach 20 bis 40 Verdoppelungsschritten unvorstellbar grosse Mengen des Genabschnitts entstehen, sofern zu Beginn der Reaktion auch nur einige wenige Kopien des betreffenden Genabschnitts vorgelegen hatten. Gelingt der Nachweis, ist dies mit dem Vorhandensein des Virus gleichzusetzen. Zur Zeit gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten, mit welchen die Virusvermehrung gezielt unterbunden werden könnte.

Bei starken Schnupfensymptomen ist es wichtig, dass die Nasenöffnungen mechanisch offengehalten werden. Bei eitrigem Nasenausfluss müssen die Sekundärinfektionen, die durch an sich harmlose Bakterien hervorgerufen werden, durch Antibiotika bekämpft werden. Bei starken Symptomen haben die erkrankten Tiere mitunter Schwierigkeiten, Wasser aufzunehmen. Der drohenden Austrocknung ist unbedingt vorzubeugen, notfalls sogar durch Infusionen von Flüssigkeit durch den Tierarzt.


Bei entzündlichen Veränderungen des Zahnfleisches und der Zunge ist unbedingt darauf zu achten, dass die Tiere weiches Futter erhalten, das nicht weiter zerbissen werden muss und dessen Aufnahme keine zusätzlichen Schmerzen verursacht.


Vorkommen und Bedeutung: Das Herpes- und das Calicivirus sind in der Katzenpopulation weit verbreitet. Sie dürften zusammen für mindestens drei Viertel aller Erkrankungen des Atemapparates verantwortlich sein. Diese beiden Infektionserreger sind besonders für Katzenheime und Züchter von Bedeutung, da sie sich besonders leicht verbreiten können, wenn Tiere eng zusammen gehalten werden.

Impfung: Seit Mitte der siebziger Jahre stehen dem Tierarzt gegen Infektionen mit dem Herpes- und dem Calicivirus Impfstoffe zur Verfügung. Die Grundimmunisierung umfasst zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen, wobei die erste Impfung nicht vor der achten Lebenswoche erfolgen sollte. Es wird empfohlen, diese Impfungen einmal jährlich zu wiederholen. Bei älteren Katzen ohne Auslauf, die mit anderen Katzen keinen Kontakt haben und sich dadurch nicht infizieren können, kann der Abstand zwischen den Impfungen verlängert werden. Bei Verlängerung des Impfintervalls ist aber zu bedenken, dass die Tiere bei einem nicht geplanten Aufenthalt in einem Katzenheim (zum Beispiel wegen Erkrankung der Besitzer) womöglich nicht geschützt sind. Eine Wiederholungsimpfung vier bis fünf Wochen vor Verbringung der Katze in ein “Ferienheim” ist in jedem Fall empfehlenswert, wenn die letzte Impfung mehr als zehn bis zwölf Monate zurückliegt. Es wird empfohlen, das Vorgehen rechtzeitig mit dem Tierarzt zu besprechen.

Andere Massnahmen zur Infektionskontrolle: Wenn die Herpesvirus-Infektion in einer Zucht vorkommt, muss damit gerechnet werden, dass die meisten Tiere nach überstandener Infektion latent infiziert bleiben; das heisst, dass die Katzen zwar gesunden, aber weiterhin Virus ausscheiden. Wenn ein Züchter bei seinen Jungtieren immer wieder Schnupfensymptome entdeckt, sollte er dieses Problem mit seinem Tierarzt besprechen, um eine Bekämpfungsstrategie zu erarbeiten. Damit in “Ferienheimen” und Tierkliniken eine Ansteckung mit Herpesvirus vermieden werden kann, sollten die Tiere keinen direkten Kontakt zueinander haben. Wenn Käfige seitlich durch Wände getrennt sind und zwischen gegenüberliegenden Käfigen mindestens 1,5 m Distanz liegt, so kann die Übertragung der Schnupfenerreger wirkungsvoll gehemmt werden. (Siehe hierzu auch das Kapitel “Allgemeine Massnahmen zur Verminderung der Infektionsgefahr”.)

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