Die LEUKÄMIEVIRUS-INFEKTION

Krankheitsbild und Verlauf: Die feline LeukämievirusInfektion (felin = zur Katze gehörend), abgekürzt FeLV, ist eine höchst gefährliche Infektionskrankheit, die – sofern sie nicht rechtzeitig vom Immunsystem überwunden wird – sich in einer ganzen Reihe verschiedener, ausnahmslos zum Tod führender Krankheitsbilder äussert. Das Leukämievirus hat diesen Namen, weil es erstmals im Zusammenhang mit einer Leukämie, das heisst einer krankhaften Vermehrung der weissen Blutzellen – den Leukozyten (Erläuterung siehe unten) – gefunden wurde. Das Wort Leukämie kommt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich “Weissblütigkeit”. Die echte Leukämie mit Vermehrung der weissen Blutzellen im Blut tritt bei der Katze interessanterweise selten auf. Öfter kommt es zu einer krankhaften Vergrösserung der Lymphknoten, auch Lymphdrüsen genannt, oder des Thymus, einem Lymphdrüsenähnlichen Organ im Brustraum (Abb. 7). Wenn Lymphknoten oder Thymus von der Vermehrung der Lymphozyten betroffen sind, spricht man besser von einer Leukose.

 
  • Abbildung 7: Zwei Röntgenbilder des Brustraumes von Katzen.
  • Abbildung 7: Zwei Röntgenbilder des Brustraumes von Katzen.

Abbildung 7:
Diese Abbildung zeigt 2 Röntgenbilder des Brustraumes von Katzen; der Kopf ist jeweils auf der linken, der Hinterkörper auf der rechten Seite gelegen. Das obere Bild stammt von einer Katze mit einem vergrössertem Thymus, der an einer weissen Fläche im vorderen Brustraum erkennbar ist. Der Thymus ist ein Organ des Immunsystems, das hier als Folge einer FeLV-Infektion massiv angeschwollen ist. Das untere Bild zeigt zum Vergleich die Röntgenaufnahme einer normalen Katze. Die Katze im oberen Bild musste eingeschläfert werden, da sie wegen der Vergrösserung des Thymus an zunehmender Atemnot litt.



Zu den Leukozyten werden gerechnet:

  1. Die Granulozyten: Deren Hauptaufgabe besteht darin, Bakterien und Bruchstücke abgestorbener Zellen zu “fressen”. Gelegentlich werden sie auch als Eiterzellen bezeichnet, da sie in eiternden Wunden millionenfach vorkommen.
  2. Die Lymphozyten: Diese sind wichtige Zellen des Immunsystems. Man unterscheidet B- und T-Lymphozyten. Die B-Lymphozyten können sich zu Plasmazellen umwandeln, die dann in der Lage sind, massenhaft Antikörper herzustellen, die sehr spezifisch Viren oder Bakterien binden können. Die T-Lymphozyten haben die Eigenschaft, mit Viren infizierte Körperzellen oder Tumorzellen zu vernichten. Unter den TLymphozyten befinden sich aber auch solche, welche die verschiedenen Funktionen des Immunsystems regulieren.
  1. Die Monozyten: Diese sind ebenfalls in der Lage, Bakterien, Viren und Zellbruchstücke zu “fressen”. Abkömmlinge der Monozyten haben ferner die Aufgabe, Teile von Bakterien oder Viren dem Immunsystem zu präsentieren und dadurch eine Immunreaktion auszulösen.


Viel häufiger als diese Leukosesymptome verursacht das Leukämievirus
aber Blutarmut und Immunschwäche.

Die Blutarmut äussert sich für den Tierbesitzer in auffallend bleichen Schleimhäuten in der Maulhöhle und im Auge. Sie entwickelt sich über Wochen und Monate (Abb. 8).

  • Abbildung 8: Entwicklung der Blutarmut bei Katzen mit lange dauernder FeLV-Infektion.
  • Abbildung 8: Entwicklung der Blutarmut bei Katzen mit lange dauernder FeLV-Infektion.

Abbildung 8:
Entwicklung der Blutarmut bei Katzen mit lange dauernder FeLV-Infektion. Auf der senkrechten Achse ist die Zahl der roten Blutkörperchen, auf der waagrechten die Zeit in Tagen vor dem Tod angegeben.
Es wird deutlich, dass die Entwicklung der Blutarmut sich über Wochen und Monate hinzieht. Leider verfügen wir heute noch nicht über Medikamente, die zur Behandlung dieser Erkrankung zuverlässig verwendet werden können. Weil Therapiemöglichkeitenbei der FeLV-Infektion fehlen, ist hier die Impfung von besonderer Bedeutung.

Eine Schwächung des Immunsystems lässt sich dann vermuten, wenn das Tier unter Entzündung des Zahnfleisches, schlecht heilenden, eiternden Wunden, Ohrenentzündung, Durchfall und anderen ähnlichen Symptomen leidet. FeLV-bedingte Erkrankungen führen in der Regel zum Tod.

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