Die KATZENSEUCHE

Krankheitsbild und Verlauf: Die Katzenseuche, welche durch das Parvovirus verursacht wird, betrifft in der Regel jüngere Tiere und beginnt oft mit Mattigkeit, allgemeiner Lustlosigkeit und Reduzierung oder vollständigem Verlust des Appetits. Wenn man in dieser Phase im Enddarm die Temperatur misst, so lässt sich meistens Fieber mit über 40° C feststellen. Die normale Körpertemperatur beträgt bei der erwachsenen Katze 38,0 °C bis 39,0 °C. Nach etwa einem Tag kehrt die Temperatur auf den Normalwert zurück, steigt aber kurz danach zu einem zweiten Fiebergipfel an. Zum typischen Krankheitsbild gehört Erbrechen, später oft auch Durchfall. Diese für die Katzenseuche typische Form (akuter Verlauf) führt ohne Behandlung innerhalb von wenigen Tagen zum Tod. Die Katzenseuche kann auch einen noch rascheren Verlauf nehmen – dann spricht man vom perakuten Krankheitsverlauf – und innerhalb von wenigen Stunden zum Tod durch Schock führen. Beim perakuten Verlauf wird in der Regel kein Fieber beobachtet (Abb. 14).

  • Abbildung 14: Katzenseuche.
  • Abbildung 14: Katzenseuche.

Abbildung 14:
Katzenseuche: Beim perakuten Verlauf können die Katzen bis kurz vor dem Tod völlig normal erscheinen. Katzenseuche ist seit der Einführung der Impfung selten geworden.


Gelegentlich äussert sich die Erkrankung aber lediglich als Mattigkeit, begleitet von länger dauerndem Durchfall. Tiere mit geringem Schweregrad von Katzenseuche können sich spontan erholen. Tiere, die eine Parvovirusinfektion überwunden haben, sind vermutlich während sehr langer Zeit vor einer erneuten Infektion geschützt.

Das Virus und die Übertragung: In der Aussenwelt kann das Parvovirus jahrelang ansteckend bleiben. Es ist nachgewiesen, dass Katzen sich in Räumen anstecken können, in denen vorher andere Tiere lebten, welche mit dem Kot Parvovirus ausschieden. Für die Infektion am wichtigsten dürfte aber der direkte Kontakt sein. Besonders empfänglich sind Jungtiere im Alter von sechs Wochen bis etwa vier Monaten. Durchfallkot enthält massenhaft Parvoviruspartikel.

Beim Parvovirus handelt es sich um eines der widerstandsfähigsten
Viren, die wir kennen.


Diagnose und Therapie: Auch hier steht dem Tierarzt ein Test zur Verfügung, mit dem im Kot das Parvovirus direkt nachgewiesen werden kann. Wird der Durchfallkot allerdings erst einige Tage nach Beginn der Erkrankung untersucht, so fällt der Test oft negativ aus. In diesem Fall kann der Tierarzt aufgrund einer Blutuntersuchung dennoch – wenn auch indirekte – Hinweise auf eine Parvovirus-Infektion finden. Die Katzenseuche geht nämlich einher mit einem massiven Verlust der Leukozyten im Blut. Während die Zahl der weissen Blutzellen je nach Alter zwischen 6.000 und 15.000 pro µl3 Blut (“ein µl (Mikroliter) entspricht dem Volumen eines Würfels mit 1 mm Seitenlänge”) liegt, fallen die Werte bei Katzenseuche bis unter 400 pro µl Blut ab.

Bei der Katzenseuche ist es ausserordentlich wichtig, dass mit der
Behandlung möglichst rasch begonnen wird.


Die Behandlung zielt darauf ab, den durch den Durchfall entstandenen Flüssigkeitsverlust mit Dauertropfinfusionen von Salzlösungen, denen auch Traubenzucker beigegeben wird, zu beheben. Wenn aufgrund des Durchfalls auch Eiweissstoffe verloren gingen, sollte der Eiweissverlust durch eine Übertragung von Blutplasma oder sogar von Vollblut behoben werden. Durch den im Verlauf der Katzenseuche auftretenden Verlust der weissen Blutzellen verliert die Katze einen wichtigen Abwehrmechanismus gegen Bakterien. Daher behandeln viele Tierärzte Katzen mit Parvovirus-Infektion vorsichtshalber gleichzeitig mit Antibiotika, um allenfalls vorhandene krankmachende Bakterien an der Vermehrung zu hindern.

Die Heilungschancen hängen einerseits vom Schweregrad der Erkrankung ab und andererseits vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns. Je leichter der Erkrankungsgrad ist und je früher der Behandlungszeitpunkt liegt, desto grösser sind die Chancen einer vollständigen Genesung.

 

Vorkommen und Bedeutung: Bevor eine Impfung gegen Katzenseuche zur Verfügung stand, war die Katzenseuche weltweit die häufigste Virusinfektion. Seit der Einführung der Impfung in den frühen sechziger Jahren hat die Katzenseuche ihre Bedrohung weitgehend verloren. Wird auf die Impfung verzichtet, so kommt es immer wieder zu vereinzelten Fällen von Katzenseuche.

Impfung: Zur Grundimmunisierung sind Jungkatzen jeweils im Alter von neun und zwölf Wochen zu impfen, was am einfachsten zusammen mit der Schnupfenimpfung geschieht.


In Katzenzuchten, in denen ein Parvovirusproblem aufgetreten ist,
besteht eine erhöhte Infektionsgefahr, weil das Parvovirus auf Böden,
in Kotkistchen und an Möbeln jahrelang überleben kann.


In solchen Situationen kann es nötig werden, dass die erste Impfung bereits im Alter von sechs Wochen stattfindet. Ob dies notwendig ist, ist mit dem Tierarzt zu besprechen. Auch bei der Katzenseuche wird eine jährliche Wiederholungsimpfung empfohlen. Bezüglich der Häufigkeit der Wiederholungsimpfungen gelten die gleichen Überlegungen wie beim Katzenschnupfen.

Andere Massnahmen zur Infektionskontrolle: Wegen der ausserordentlichen Widerstandsfähigkeit des Parvovirus ist vor allem in Tierheimen, wo Gefahr einer Einschleppung der Infektion besteht, auf grösstmögliche Hygiene zu achten. Insbesondere sind Käfige nach jeder Belegung sorgfältig zu reinigen und zu desinfizieren. Desinfektionsmittel können beim Tierarzt bezogen werden.

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