Die feline infektiöse PERITONITIS (FIP)

  • Abbildung 15: Entzündliche Ablagerung in der vorderen Augenkammer bedingt durch FIP.
  • Abbildung 15: Entzündliche Ablagerung in der vorderen Augenkammer bedingt durch FIP.

Krankheitsbild und Verlauf: Die FIP, die durch das feline Coronavirus (FCoV) verursacht wird, ist eine der heute am meisten gefürchteten Krankheiten der Katze, da sie, einmal ausgebrochen, immer zum Tod führt. Die FIP betrifft in einem Bestand nie alle Katzen, sondern immer nur ein bis zwei Tiere, besonders Jungtiere im Alter von etwa vier Monaten bis zwei Jahren. Die ersten Krankheitssymptome sind Fressunlust und verminderte Aktivität. Gelegentlich werden in den Augen entzündliche Ablagerungen sichtbar (Abb. 15).

Abbildung 15:
Entzündliche Ablagerung in der vorderen Augenkammer, bedingt durch FIP. Diese Art von Veränderungen werden oft durch den Besitzer beobachtet und werden zum Anlass des Tierarztbesuches genommen.

Bei einigen Tieren kommt es eine bis drei Wochen nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle, die dem Katzenhalter auffällt (Abb. 16). Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Katze dann dem Tierarzt vorgestellt. Häufig dauern aber die an sich wenig charakteristischen Symptome über Wochen an.

  • Abbildung 16: Katze mit der sogen. feuchten Form der FIP in der Bauchhöhle.
  • Abbildung 16: Katze mit der sogen. feuchten Form der FIP in der Bauchhöhle.

Wenn der Tierarzt eine FIP diagnostiziert, bleibt leider nur noch das
Einschläfern, da es bislang keine Heilung dieser Krankheit gibt.


Gelegentlich führt die Infektion mit dem FCoV bei Jungtieren zu Episoden von Erbrechen und Durchfall sowie Schnupfen, welche aber von selbst verschwinden können. Diese Erkrankungen bleiben in der Regel auf Darm und Atmungsapparat beschränkt.

Abbildung 16:
Katze mit der sogen. feuchten Form der FIP in der Bauchhöhle hat sich sehr viel Flüssigkeit angesammelt.
Bild: Feline Advisory Bureau
.


Das Virus und die Übertragung: Die Coronaviren verdanken ihren Namen ihrem Bild im Elektronenmikroskop, welches an eine Krone (lateinisch corona) erinnert (Abb. 17). Infektionen mit FCoV sind bei unseren Katzen weit verbreitet: In Zuchten können bis zu 100 % aller Katzen mit dem FCoV infiziert sein. Heute dürfte es in Westeuropa kaum eine Zucht geben, in der alle Katzen frei sind von FCoV. Wie oben erwähnt führt die FCoV-Infektion nur gelegentlich bei Jungkatzen zu Erbrechen, Durchfall oder vorübergehenden Schnupfensymptomen. Wir wissen heute, dass aus dem an sich harmlosen FCoV durch spontane Veränderungen des genetischen Materials (Mutationen) ein die FIP verursachendes Virus entstehen kann. Das mutierte Virus wird daher als FIP-Virus bezeichnet; es unterscheidet sich nur in wenigen Stellen vom FCoV, von dem es sich ableitet. FCoV werden in der Regel direkt von einer Katze auf die andere übertragen. Allerdings spielt auch die indirekte Übertragung via unbelebte Gegenstände wie Kotkistchen, Bürsten, Schlafkörbe und ähnliches eine sehr wichtige Rolle. Nach der Infektion kann sich das FCoV im Darm und in der Lunge festsetzen, wobei – das sei hier betont – meistens keine Krankheitssymptome auftreten. Dank PCR-Untersuchungen wissen wir heute, dass es Katzen gibt, die über Monate hinweg mit dem Kot grosse Mengen von FCoV ausscheiden. Andere Tiere desselben Bestandes scheiden nur gelegentlich oder über Wochen hinweg gar kein Virus aus. Katzen, die dauernd FCoV ausscheiden, können pro Gramm Kot bis zu einer Million mal mehr FCoV aufweisen als gelegentliche Ausscheider. Dies dürfte auch erklären, weshalb die gemeinsame Benutzung von Kotkistchen durch Dauerausscheider und gelegentliche Ausscheider bei den Letztgenannten zu einem erhöhten Infektionsdruck, also zu wiederholten Infektionen führt. Jungtiere werden meistens – aber nicht immer – erst im Alter von über sechs Wochen infiziert. Als Infektionsquelle kommen nicht nur die eigene Mutter, sondern auch alle anderen Tiere eines Bestandes in Frage, sofern sie Kontakt mit den Jungtieren haben.

  • Abbildung 17: Elektronisches Bild eines Coronavirus.
  • Abbildung 17: Elektronisches Bild eines Coronavirus.

Abbildung 17:
Elektronisches Bild eines Coronavirus. Die kronenähnlichen Fortsätze sind deutlich zu erkennen.
Bild: Dr. R. de Groot und Prof. Horzinek, Utrecht
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Die Krankheit bricht erst viele Wochen bis Monate nach der Infektion mit dem FCoV aus, meistens wenn die Jungtiere bereits bei einem neuen Besitzer sind. Über welche Mechanismen die bei FCoV beobachteten Mutationen des genetischen Materials zur Entstehung einer FIP führen, ist noch nicht klar. Immerhin wissen wir, dass jede Art von Stress das Ausbrechen einer FIP-Erkrankung bei einem Tier mit vorbestehender Coronavirus-Infektion begünstigen kann.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose FIP stellt für den Tierarzt eine ausserordentlich schwierige Aufgabe dar. Dazu muss er unter anderem Blutuntersuchungen durchführen, und er wird in diesem Fall – aber nur, wenn er den Verdacht einer FIP hat – auch den Coronavirus-Test anfordern. Im Coronavirus-Test, der früher unglücklicherweise oft auch als FIP-Test bezeichnet wurde, werden Antikörper gegen Coronavirus bestimmt. Wenn eine Katze, bei welcher der Tierarzt eine FIP vermuten muss, grosse Mengen von Antikörpern gegen das Coronavirus aufweist, so ist dies neben den Blutwerten ein zusätzlicher, wichtiger Hinweis für das Vorliegen einer FIP.

Achtung. Dieser Coronavirus-Test kann nicht zwischen der Infektion mit dem an sich harmlosen Coronavirus und dem krankmachenden FIP-Virus unterscheiden. Es ist demnach ein Fehler, wenn der Coronavirus-Test bei gesunden Katzen durchgeführt wird mit dem Ziel, eine FIP nachzuweisen oder auszuschliessen.

Über 50% der gesunden Katzen in der Gesamtpopulation haben Antikörper gegen Coronavirus, die im Test nachgewiesen werden können. In spezialisierten Laboratorien ist es heute möglich, das FCoV mit der PCR-Methode nachzuweisen. Allerdings vermag die heute verwendete Methode nicht zwischen dem FCoV und den krankmachenden FIP-Viren zu unterscheiden. Da die Coronaviren der Katze sehr weit verbreitet sind, kommen positive PCR-Tests nicht nur bei an FIP erkrankten Katzen, sondern auch bei vielen gesunden Tieren vor. Aus diesem Grund kann die PCR-Methode zur Diagnose eines FIP-Falles nicht verwendet werden. Verschiedene Laboratorien offerieren trotzdem der Tierärzteschaft die PCR-Methode zur Diagnose der FIP. Nach Ansicht des Verfassers ist dies weder für die Katze noch für den Tierarzt nützlich.
Wenn bei einer Katze die FIP erst einmal ausgebrochen ist, kommt jede therapeutische Massnahme zu spät. In den letzten Jahren wurden verschiedenste Therapieversuche beschrieben, welchen allesamt kein Erfolg beschieden war. Daher ist die korrekte Diagnose einer FIP sehr wichtig. Ist die Diagnose FIP jedoch sicher gestellt, so sollte auf Behandlungsversuche bei der Katze verzichtet werden.

Vorkommen und Bedeutung: Die Häufigkeit von Coronavirusinfektionen in der Katzen-population kann durch Nachweis von Antikörpern im Coronavirus-Test bestimmt werden. Allerdings lässt sich aufgrund der Testresultate nicht abklären, ob ein im Test positives Tier Träger eines FIP-Virus oder des harmlosen Coronavirus ist. In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich sind Coronavirusinfektionen weit verbreitet.

Über 50 % aller Katzen hatten einmal Kontakt mit Coronaviren.

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